#25 Wie soll ich meinen Sohn erziehen?

Empathie statt Gewalt

Mich erreicht ein E-Mail einer Mutter. Angestoßen durch die aktuellen Debatten rund um Gewalt und Gleichberechtigung fragt sie: „Wie soll ich meinen Sohn erziehen, damit er ein empathischer Mann mit klarem Bewusstsein zu Recht und Unrecht wird?“

Ich kann diese Frage so gut nachvollziehen. Gegenwärtig werden Anforderungen erhöht und abwertende, diskriminierende Verhaltensweisen angeprangert. Und das ist auch gut so. Denn Demokratie lebt von der GLEICHbeRECHTigung aller Menschen.

Zugleich aber gibt es den eigenen Raum, den wir unmittelbar beeinflussen können. Damit meine ich

  • die eigenen Aussagen und Handlungen
  • die Gestaltung unseres Miteinanders
  • die Vermittlung von Werten
  • die eigene Haltung als Vorbild.

Auch in der Erziehung.

Mein Vorschlag als Antwort auf die Frage: Hören wir auf Mädchen und Buben zu erziehen. Denn wir erziehen Kinder übers Jugendalter ins Dasein als erwachsene Menschen.

Kein „sei keine Heulsuse“, kein „sei kein Mädchen“ oder ähnliche abwertende Zuschreibungen.

Erziehung zum Menschsein

Was vielleicht provokant klingt, kommt von Herzen: Bitte hören wir auf, zwischen Bub und Mädchen zu unterscheiden! Damit meine ich nicht das Aufweichen von Identitäten. Damit meine ich, dass wir auf das Wesen des Kindes schauen, die Vorlieben, Abneigungen und Stärken. Denn darum geht es doch letztlich, oder?
Wir erziehen Kinder zu liebevollen, empathischen Menschen.

Was Erziehung braucht

Damit das gelingt, braucht es Liebe. Doch Liebe als Erziehungsmethode alleine reicht nicht. Es braucht:

  • Sicherheit im Sinne von Vorhersehbarkeit und Gewaltfreiheit;
  • Regeln und Grenzen, damit ein Kind sich auskennt und lernt, wie das Miteinander funktioniert;
  • Empathie und Verständnis, die nur entstehen können, wenn ein Kind das selbst erfährt;
  • Erziehende in der Führungsverantwortung bedeutet, dass – entsprechend des Alters des Kindes – nicht permanent alles diskutiert wird;
  • eine liebevolle Gesprächskultur sowie die (Co-)Regulation von Gefühlen;
  • das Verständnis über und die Befriedigung von Bedürfnissen (dass dies nicht immer möglich ist, stärkt die Frustrationstoleranz und die Fähigkeit des Bedürfnisaufschubs);
  • die Wiedereinführung von Courage, im Sinne eines Hinschauens und Reagierens – denn das Wie des Miteinanders geht uns alle an.

Gleichberechtigung

Wenn wir dafür sorgen, dass Kinder so sein dürfen, wie sie wirklich sind, zu sich stehen und ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen und artikulieren lernen und darin ernst genommen werden, dann machen wir – so denke ich – einen riesigen Schritt. Das Ziel und meine Hoffnung ist, dass Erziehung Kinder zu selbst-bewussten, liebevollen, empathischen Erwachsenen werden lässt. Um Gewalt, Abwertung, Ausgrenzung, Diskriminierung und Skrupellosigkeit keinen Raum mehr zu geben.

Wie sehen Sie das?
Ihre
Irina Langer

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