#17 Grenzen setzen

Ganz einfach?

Unlängst in meiner Praxis berichtet mir eine Mutter von 3 Kindern von einem Konflikt mit einer gleichaltrigen Person, von der sie sich verbal stark bedroht gefühlt habe. Sie sei nur mehr in der Lage gewesen ihre „Krallen auszufahren“. Jetzt in der Retrospektive sei ihr klar, dass ihre Reaktion und was da passiert ist, schwer in Relation zu bringen sind. 

Sicher nicht!

Die eigenen Grenzen als Erwachsene/r zu setzen kann schwierig sein. Besonders wenn es in der Kindheit nicht beigebracht worden ist.

Damals wäre es Aufgabe der Eltern gewesen, auf Ihre kindlichen Grenzen zu achten und Ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Als Erwachsene sind ist es dann die eigene Aufgabe.

Was also tun?

Sich dem Thema der eigenen Grenzen zu widmen ist tiefgehend, eine bewusste Entscheidung und ein Lernprozess. Zu lernen, die eigenen Grenzen zu wahren, geht nicht von heute auf morgen.

würdigen

Dabei ist auch die Würdigung Ihrer Stärke und Ihres jüngeren Anteils wichtig, der die Grenzüberschreitungen in Ihrer Vergangenheit überstanden hat. Dies ist gelungen, weil Sie als Kind Strategien entwickeln konnten, die Ihnen damals geholfen haben. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und würdigen die Anstrengung Ihres jüngeren Ichs. Es hat Großartiges vollbracht!

verändern

Und zugleich ist wahrscheinlich, dass die Strategien von damals in der Gegenwart nicht mehr soo passend sind und verändert werden dürfen. Dazu sind die folgenden Punkte eine kleine Erste-Hilfe für Sie. 

üben

Während des Lesens wirkt es vielleicht für Sie, als würden die einzelnen Punkte minutenlange Aufmerksamkeit erfordern. Deshalb könnte hilfreich sein, wenn Sie die einzelnen Punkte üben. Und zwar in Alltagssituationen, wenn Sie entspannt sind. 

1. Innehalten

Einen Moment innehalten und sich selbst eine der folgenden Fragen stellen:

  • Was passiert gerade?
    Diese Frage kann Ihnen helfen den Überblick zu bewahren.
  • Worum geht es genau?
    Sie können den Ablauf des Geschehens fokussieren und so sachlich bleiben.
  • Woher kenne ich das?
    Die zeitliche Zuordnung in Ihre Vergangenheit kann es Ihnen im Jetzt erleichtern.

Es dauert ein paar Sekunden, bis das Gegenüber merkt, dass noch keine Reaktion oder Antwort gekommen ist. Nutzen Sie diese Zeit, um gedanklich einzuordnen, was Sie jetzt gerade erleben. Dann erst reagieren Sie.

2. Atmen

Bewusste und tiefe Atemzüge, dabei tiefer aus- als einatmen. Dies hilft Ihnen, mit Ihrer Aufmerksamkeit bei sich selbst zu bleiben und den Körper wahrzunehmen. 

3. Artikulieren

Meine Erfahrung ist, dass das Aussprechen eigener Bedürfnisse oder Gefühle eine gute Wirkung in Bezug auf die Selbstwahrnehmung, Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit hat. Ich betone aussprechen – nicht ausagieren!
Sprechen Sie aus, was Sie fühlen oder brauchen. Treten Sie so in Kommunikation mit sich selbst und mit Ihrem Gegenüber.

4. Wertschätzung

Wir alle haben einen Rucksack zu tragen, der seit der  Kindheit gefüllt worden ist. In der Gegenwart sind wir selbst für diesen Rucksack  verantwortlich. Wertschätzung erleichtert immer einiges. Deshalb: 

  • Was hilft mir, mir selbst wertschätzend zu begegnen?
  • Was hilft mir, anderen wertschätzend zu begegnen?

Je liebevoller Sie mit sich selbst kommunizieren, desto klarer und ebenso bestimmt können Sie auch nach außen wertschätzend kommunizieren und Ihre Grenzen vertreten.

Ihr Kind und Sie

Kinder brauchen unser Vorbild und unsere liebevolle Führung, auch in Bezug auf Grenzen. Sie brauchen unsere Hilfe beim Wahren ihrer Grenzen und sie brauchen unsere Hilfe beim Lernen des Anerkennens der Grenzen anderer (sprich: auch der Ihren). Ein klarer und vorhersehbarer Rahmen mit Grenzen vermittelt Kindern Sicherheit. Das ist auf vielen Ebenen unbedingt entwicklungsförderlich.  

Hilfe

Wenn Sie merken, dass das Thema Grenzen Sie betroffen  macht, dann holen Sie sich Begleitung für ein Stück Ihres Weges.

Sie sind es wert, Ihre Grenzen zu vertreten und so auf sich zu achten!
Ihre
Irina Langer

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