Praxisbeispiel
Der Vater von Susi berichtet: „Als Kind habe ich mich vor meinem Vater oft gefürchtet, habe ihn als streng wahrgenommen und mich falsch und ungeliebt gefühlt. Egal, was ich damals versucht habe, ich habe alles falsch gemacht. Ich möchte nicht, dass es meiner Tochter Susi genauso geht und sie sich vor mir fürchtet. Allerdings weiß ich momentan auch nicht mehr weiter, denn ich habe heute wieder das Gefühl, alles falsch zu machen.“
Ich bin überzeugt, dieses Ziel kennen viele Erwachsene im Umgang mit Kindern. Auf keinen Fall wollen wir die eigenen, als negativ eingestuften, Erziehungserfahrungen weitergeben. Und das ist auch gut so. Das Erleben von Angst ist keine Lebenserfahrung, die wir den Kindern wünschen.
Wirksame Aspekte
Im Folgenden möchte ich kurz ein paar Aspekte beleuchten, die in dieses überaus komplexe Thema hineinwirken:
- Ein Hinweis, denen ich Ihnen mitgeben möchte, ist: Ihr Kind ist eine eigenständige Persönlichkeit. Und es hat einen anderen Vater, eine andere Mutter – Sie. Ihr Kind erlebt eine andere Kindheit, es lebt in einer anderen Zeit. Sie sind seine Eltern. Das heißt, Sie können ein wenig entspannen und durchatmen. Ihr Kind macht nicht automatisch dieselben Erfahrungen, die Sie in Ihrer Kindheit erlebt haben. Und Sie sind auch nicht Ihr Vater / Ihre Mutter. Das heißt, grundsätzlich können Sie viele Dinge anders machen.
- Weitere Aspekte, die in diesem Thema mitwirken, sind Ihre Gefühle und Bedürfnisse. Und zwar jene, die damals in Ihrer Kindheit da waren. Und jene, die jetzt bei Ihnen als Erwachsene/r da sind. Welche Übereinstimmungen gibt es und welche Unterschiede sind da?
- Dann ist ein weiterer Punkt Ihre Erziehungswerte (z.B. Zuverlässigkeit, Spaß). Gibt es welche, die Sie (unbewusst) von Ihren Eltern übernommen haben und die für Sie vielleicht gar nicht mehr stimmen (z.B. Fleiß, Ruhe)? Welche Werte möchten Sie in der Gegenwart in Ihrer Familie leben?
- Einen abschließenden Hinweis möchte ich Ihnen noch mitgeben: Es besteht die Möglichkeit, dass die Angsterfahrung aus Ihrer Kindheit nun als Elternteil ins Gegenteil verkehrt wird. Es könnte also sein, dass Sie im Bemühen, Ihr Kind nicht zu ängstigen, ins Gegenteil rutschen. Es geht, wie immer in der Erziehung von Kindern, um eine gute Balance von Sicherheit und Freiheit, Führung und Autonomie.
Individuelle Antwort
Die Frage lautet: „Wie kann es gelingen, Ihr Kind angstfrei und sicher aufwachsen zu lassen?“ Auch und gerade wenn Sie andere Kindheitserfahrungen gemacht haben.
- Was möchten Sie anders als Ihre Eltern machen?
- Und gibt es etwas, das Sie genauso machen möchten, weil das für Sie eine schöne Erinnerung ist?
Es geht um Ihr Verständnis der Situation und Ihren Wunsch nach Veränderung. Und dafür gibt es keine Schablone, weil jeder Mensch und jede Erfahrung und damit jede Antwort einzigartig ist. Dass Sie sich diese Frage stellen ist bereits ein erster wichtiger Schritt.
Ich begleite Sie, halte den Raum für Ihre Gefühle und unterstütze Sie bei Ihrer Suche nach möglichen Wegen zu jenen Veränderungen, die Sie wünschen. Wir gehen dabei sorgsam und in Ihrem Tempo vor, denn es geht darum, was Sie als Erwachsene/r und Elternteil im Hier und Jetzt anders machen wollen.
Ihre
Irina Langer